Am 16. Oktober 2026 gastiert zum zweiten Mal das Schumann Quartett in Weiden. Im Mai 2022 ist es ganz kurzfristig eingesprungen für ein Quartett aus Frankreich, das durch ein schicksalhaftes Ereignis verhindert war. Die vier Mitglieder der Schumanns reisten aus verschiedenen Gegenden Deutschlands an, trafen sich zu einer kurzen Verständigungsprobe und waren sogar bereit für den geplanten Konzert-Mitschnitt durch den BR. Wir erlebten ein brillantes Konzert. Diese Souveränität begeisterte uns restlos. - Als wir später die Schumanns (im Festspielhaus Erl 2024) wieder mit einem atemberaubenden Quartettabend erlebten und vor allem, als wir dann hörten in welch positiver Erinnerung den Künstlern das Weidener Konzert war, schien uns eine Wiedereinladung dringend geboten.

Das 2007 in Köln gegründete Schumann Quartett besteht aus drei Brüdern (Erik, Ken und Mark Schumann), Kinder deutsch-rumänisch-japanischer Eltern und dem Bratscher Matthew McDowell. Basierend auf außerordentlicher technischer Perfektion besticht das Spiel durch Intensität und Spontaneität auf der Bühne. „Feuer und Energie. Das Schumann Quartett spielt umwerfend gut [...] zweifellos eine der allerbesten Formationen der jetzigen Quartettblüte, […] blitzende Virtuosität und Überraschungsbereitschaft“ (Harald Eggebrecht, SZ).

Das kommende 20jährige Jubiläum des Quartetts (2027) soll mit einem Programm begangen werden, in dem europäischen Werken eine Komposition aus Japan gegenübersteht. Josef Haydn schrieb sein F-Dur-Quartett op. 77,2 für Fürst Joseph von Lobkowitz. Es ist Haydns letztes vollendetes Streichquartett, ein Werk der Reife. Der 1. Satz ist ein Sonatensatz mit einer ungewöhnlich langen Durchführung, die die Arbeit mit den Motiven auf ungeahnte Höhen führt. Das Menuett (hier vor dem langsamen Satz) scheint alle Gesetze des Dreiertaktes aufzuheben – Beethovens Scherzi sind nicht mehr weit. Das Andante ist ein mit souveräner Freiheit angelegter Variationssatz und im Finale erlebt man statt des tänzerischen “Kehraus” früherer Quartette ein Vivace in einem wild-energischen Rhythmus, der unmissverständlich Beethovens Quartette op. 18 ankündigt.

Akira Nishimura (1953-2023) war ein japanischer Komponist, dessen Werk alle Genres umfasst, von der Kammermusik bis zur Oper. Sein 2. Streichquartett „Pulse of the Lights“ schrieb er 1992. Östliche und westliche Klangwelten werden gegenübergestellt in einer experimentierfreudigen, klangsinnlichen Kompositionstechnik, die enormes Können der Spieler voraussetzt.

Antonin Dvořák verbrachte 3 Jahre seines Lebens in Amerika. Man hatte den 51jährigen, in Europa hochangesehenen Komponisten im Jahr 1892 eingeladen „... damit ich den Amerikanern den Weg in das gelobte Land einer neuen eigenständigen Kunst weise, kurz, ihnen helfe, eine Nationalmusik zu schaffen! Wenn das angeblich kleine tschechische Volk solche Musik habe, warum sollten sie es nicht haben, wo doch Land und Volk so riesig sind!“ In dem Dorf Spillville (Iova), in dem viele ausgewanderte Böhmen lebten, verbrachte Dvořák seine Sommerferien und dort ließ er sich von Indianertänzen und von Spirituals anregen zu einer Reihe von Meisterwerken aus dem Geist der amerikanischen Musik: neben der „Sinfonie aus der neuen Welt“ op. 95 und dem Streichquintett in Es-Dur op. 97 schuf er sein „Amerikanisches Quartett“ Op. 96, ein hinreißendes Streichquartett!

Dr. Harald Roth
Fr 16.10.2026 20.00 Uhr

Schumann Quartett Streichquartett

  • Josef Haydn
    Streichquartett F-Dur op. 77/2 „Lobkowitz“
  • Akira Nishimura
    Streichquartett Nr. 2 „Pulses of Light“
  • Antonin Dvořák
    Streichquartett F-Dur op. 96 „Amerikanisches Quartett“

Tickets sind hier erhältlich

Weitere Konzerte