SONDERKONZERT
Bertrand Chamayou

25.7.2021, 11:30

Max-Reger-Halle Weiden

Instrument / Musiker
Klavier

Bertrand Chamayou

Komponist / Werk
Maurice Ravel
Jeux d'eau
Miroirs
Franz Liszt
Les Cloches de Genève
Les jeux d'eaux à la Villa d'Este
Il Penseroso
Venezia e Napoli

Nachdem wir in unserer 60. Saison alle Konzerte der Reihe nach absagen mussten, ist es eine besondere Freude, dass zum Saisonende wenigstens noch ein Konzert stattfinden kann. Wir haben dafür den fabelhaften französischen Pianisten Bertrand Chamayou gewinnen können. Geboren 1981 in Toulouse wurde sein außerordentliches Talent schon früh entdeckt. Er studierte in Paris und London. Inzwischen ist er regelmäßiger Gast in den bedeutendsten Konzertsälen in Klavierrecitals, als Solist mit den berühmtesten Orchestern und als Kammermusiker. Sol Gabetta, Antoine Tamestit, die Brüder Capuçon und das Quatuor Ébène sind regelmäßige Kammermusikpartner.

Für die Einspielung des Gesamtwerks für Solo-Klavier von Ravel erhielt er den ECHO-Klassik. Als bislang einziger Künstler wurde er bereits viermal mit dem renommierten französischen Preis „Victoires de la Musique“ ausgezeichnet.

In der Matinée am 25.7.21 dürfen wir ein außerordentliches pianistisches Programm erleben. Chamayou stellt darin Charakterstücke von Maurice Ravel und Franz Liszt nebeneinander. Zunächst Geräusche des Wassers - Klänge von Springbrunnen, Wasserfällen und Bächen - ein beliebtes Sujet im musikalischen Impressionismus.

In der Villa d`Este, die in dem kleinen Ort Tivoli nahe Rom liegt, verkehrte Franz Liszt häufig als Gast von Adolf Kardinal Hohenlohe. Seine Jeux d`eaux à la villa d`Este beschreiben zum einen das Spiel der glitzernden Fontänen in den Wasserspielen der Villa. Zudem kommentierte Liszt den Notentext mit einem Bibeltext vom “Wasser des Lebens” und stellte das Werk somit in einen religiösen Kontext. Maurice Ravel, der sich durch Liszts Werk ebenfalls zu einer Komposition Jeux d`eau anregen ließ, versah diese dagegen mit einem betont weltlichen Begleittext. Dabei schlug er neue kompositorische Wege ein: In einem flirrendes Tongemälde entwickelte er eine schwebende Harmonik und erzielte bis dahin nie gehörte klangmalerische Effekte.

Ravels Miroirs (Spiegelbilder) sind ein Zyklus aus fünf Klavierstücken
- Noctuelles (Nachtfalter)
- Oiseaux tristes (Traurige Vögel)
- Une barque sur l’océan (Eine Barke auf dem Ozean)
- Alborada del gracioso (Morgenlied des Narren)
- La vallée des cloches (Das Tal der Glocken)

Das Werk gehört zu den Schlüsselwerken des französischen Impressionismus. Alle Stücke sind technisch außerordentlich anspruchsvoll und von einem virtuosen Klaviersatz geprägt, der Anregungen von Liszts Klavierwerken aufgreift. Ravel nutzt das komplette technische, harmonische und klangliche Spektrum des Instruments, um in allen Stücken äußerst vielfältige und raffinierte Farbnuancen hervorzubringen.

Aufschlußreich ist die Gegenüberstellung des Tals der Glocken (La vallée der Cloches) aus Ravels Miroirs und Liszts Glocken von Genf (Les Cloches de Genève) aus dem ersten Jahr der Années de Pélérinage (La Suisse).

Liszts Penseroso (Der Nachdenkliche) aus dem zweiten Jahr der Années ist geschrieben nach einer Statue Michelangelos in der Florentiner Medici-Kapelle.

Venezia e Napoli sind drei Klavierstücke als Ergänzung zum zweiten Jahr der Années: Ein erotisches venezianisches Volkslied ist der Vorwurf zu Gondoliera, die Canzone zitiert Rossinis Otello (der hereintönende Gesang eines Gondoliere unmittelbar vor der Bluttat Othellos) und Tarantella ist eine faszinierende virtuose Bearbeitung von neapolitanischen Volksliedern.


Dr. Harald Roth

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