In den sechs Jahren seines Bestehens hat das Quatuor Van Kuijk einen fulminanten Karrierestart hingelegt: der Erste Preis sowie die Ehrungen für die beste Beethoven- und die beste Haydn-Interpretation beim Wigmore Hall Wettbewerb in London, der Erste Preis und der Publikumspreis beim Wettbewerb in Trondheim, Preisträger der Aix-en-Provence Festival Academy, BBC New Generation Artists von 2015 - 2017 und schließlich Teil der prestigeträchtigen ECHO Rising Stars Serie in der Saison 2017/2018. Folglich ist das Ensemble nun in den wichtigsten internationalen Konzertsälen präsent: am 20. Mai 2022 auch in Weiden.

W. A. Mozarts Streichquartett in d-Moll, KV 421, gehört wie das oben erwähnte „Dissonanzen-Quartett“ zu der Reihe der Josef Haydn gewidmeten Quartette. Es müsste eigentlich „Geburtswehenquartett“ heißen, denn Mozart lenkte sich in der Nacht, in der seine Frau Constanze mit ihrem ersten Sohn in Wehen lag, mit der Niederschrift dieses Quartetts ab. Als einziges dieser Quartettreihe in Moll ist dieses Meisterwerk auch das dramatischste. Einem düsteren Kopfsatz mit einer Coda, die bereits auf Schubert hinweist, folgt ein Andante im 6/8 Takt, das mit Licht und Schatten spielt. Das Menuett ist durchsetzt mit dissonanten „Schmerzensschreien“, kontrastiert aber mit einem ländlerhaften Trio-Mittelteil. Das Variationsfinale in seinem Tanzrhythmus steigert sich zu größter Intensität, bis die schnelle Coda fast gespenstische Züge annimmt – eine Vorahnung von Don Giovanni! Bei der Komposition von Streichquartetten hat man D. Schostakowitsch von politischer Seite nicht unter Druck gesetzt, und so konnte er sich in diesem Genre – anders als bei seinen Symphonien – relativ frei bewegen. Der Anlass für das 10. Quartett war ein eher sportiver: Sein Freund und Kollege Mieczyslaw Weinberg hatte ihn in der Zahl der komponierten Quartette überholt, und Schostakowitsch zog nach. Der erste Satz bewegt sich zunächst ganz klassisch, das furiose Scherzo bietet eine diabolische Klangkulisse, das Adagio ist eine Passacaglia und im Finale bestimmt ein kleinschrittiges Rondothema fast im Sinne eines Ostinato das Geschehen. L. v. Beethovens C-Dur-Quartett op. 59,3 ist das letzte der drei dem russischen Grafen Rasumowsky gewidmeten Streichquartette. Ein großer Schritt in der kompositorischen Entwicklung unterscheidet sie von den Quartetten op. 18. Deswegen wurden diese groß angelegten Werke op. 59 zunächst von den Zeitgenossen nicht verstanden. Zwar sind in op. 59/3 die Anregungen durch Mozart (Quartette C-Dur, KV 465, und G-Dur, KV 387) deutlich spürbar, doch ist der Klangraum inzwischen deutlich geweitet, und in einer für den reifen Beethoven charakteristischen Art tritt die exzessive Verarbeitung kleinster Motivbausteine in den Vordergrund. Der Schlußsatz ist eine Kombination aus einer rasanten Fuge und einem Sonatenhauptsatz, ähnlich dem Finale von Mozarts „Jupitersinfonie“, KV 551.

Dr. Harald Roth
Fr 20.05.2022 20.00 Uhr

Quatuor Van Kuijk Streichquartett

  • Wolfgang Amadeus Mozart
    Streichquartett d-Moll, KV 421
  • Dmitri Schostakowitsch
    Streichquartett Nr. 10, As-Dur, op. 118
  • Ludwig van Beethoven
    Streichquartett C-Dur, op. 59/3 „Rasumowsky“

Der Kartenvorverkauf beginnt voraussichtlich am Fr 22.04.2022 um 11 Uhr

BR-Klassik wird dieses Konzert aufzeichnen

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