Yulianna Avdeeva

20. März 2020, 20 Uhr

Max-Reger-Halle Weiden

Instrument / Musiker
Klavier

Yulianna Avdeeva

Komponist / Werk
Robert Schumann
Fantasiestücke op. 12
Franz Schubert
Wanderer-Fantasie C-Dur, D 750
Ludwig van Beethoven
Fantasie für Piano op. 77
Eroica-Variationen op. 35

Im Oktober 2016 hatten wir die Chopinpreisträgerin (Warschau, 2010) Yulianna Avdeeva zu Gast. Sie spielte ein wahrhaft denkwürdiges Programm mit Werken von Beethoven und Liszt. Schon damals drängte sich der Wunsch auf, Frau Avdeeva möglichst bald wieder erleben zu dürfen. Am 20. März 2020 gibt es Gelegenheit dazu. Das ausgeklügelte Programm kreist um die Themen: Fantasie, Variationen und Fuge.

Nach Beethovens Ausschreiten der großen Form von Sonate und Sinfonie wurde für die Komponisten des 19. Jahrhunderts die oft aphoristische Kleinform zumeist in zyklischer Aneinanderreihung bedeutend. Schumanns hinreißende Fantasiestücke op. 12 sind für die romantischen Komponisten von epochemachender Bedeutung. Der Titel bezieht sich auf ETA Hoffmanns „Fantasiestücke in Callots Manier“.  Schumann entwirft in op. 12 fantasievolle Stimmungsgemälde, die Eindrücke und Empfindungen musikalisch nachzeichnen. Der Bogen spannt sich von abendlich-nächtlicher zu heiter-beschwingter Stimmung.

Ganz anders die extrovertierte, virtuose Wanderer-Fantasie des 25jährigen Franz Schubert. Über die für Schubert ungewöhnlich effektvollen und brillanten Äußerlichkeiten hinaus ist diese Fantasie ein großartiges Werk. Erstmals entwickelt Schubert aus einem einzigen thematischen Keim eine zyklische viersätzige Form (wie es Franz Liszt in seiner h-Moll Sonate weiterentwickelt hat). Der langsame zweite Satz besteht aus einer Folge von Variationen, das Finale beginnt als Fuge in vollgriffig-virtuosem Klaviersatz.

Zwei selten in Konzertprogrammen zu findende Werke Beethovens erklingen im 2. Teil des Konzertes. Die Fantasie op. 77 entstand 1809 kurz nach der Fantasie für Klavier, Chor und Orchester op. 80. Auf der Suche nach einer geeigneten Gestalt machen sich nacheinander mehrere Gedanken selbständig, die teils verworfen, teils weitergeführt werden. Langsam bildet sich ein Motiv heraus, das Grundlage eines immer differenzierteren Variationssatzes wird – freie Improvisation strebt zur Form. So wird man sich Beethoven als Improvisator in geselliger Runde vorstellen können.

Die Eroica-Variationen op. 35 beschließen den Abend. Beethoven komponierte dieses Werk 1802 etwa gleichzeitig mit der 2. Sinfonie und dem 3. Klavierkonzert. Das Thema stammt aus den Contretänzen WoO 14 und wurde bereits in der Ballettmusik zu „Die Geschöpfe des Prometheus“ verwendet. Den Namen „Eroica-Variationen“ erhielt dieser Zyklus erst im Nachhinein, denn Beethoven nutzte dieses Thema auch im Finale seiner 3. Sinfonie, der „Eroica“, das ebenfalls in Variationsform angelegt ist. Alle 15 Variationen sind ganz aus dem Geist des Klaviers entwickelt und haben keine Ähnlichkeit mit den Variationen der Sinfonie. Die pianistische Ausdrucksfähigkeit ist schon auf den Stil der letzten Sonaten hin gesteigert.

Dr. Harald Roth

 

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