Yulianna Avdeeva

7. Oktober 2016, 20 Uhr

Weiden, Max-Reger-Halle

Instrument / Musiker
Klavier

Yulianna Avdeeva

Komponist / Werk
Ludwig van Beethoven
Klaviersonate e-Moll, op. 90
32 Variationen über ein Originalthema c-moll, WoO 80
Klaviersonate Es-Dur, op. 81a „Les Adieux“
Franz Liszt
La lugubre gondola
Unstern „Sinistre, disastro“
R.W. Venezia
Sonate h-Moll

Im Jahr 2010 hatten wir erstmals die Gelegenheit, die Endrunden des renommierten Chopin-Wettbewerbs in Warschau im Internet zu verfolgen. Besonders beeindruckt hat uns damals die Russin Yulianna Avdeeva. Vor einer höchstrangig besetzten Jury hat sie den 1. Preis erhalten - vor so vorzüglichen Pianisten wie Ingolf Wunder und Daniil Trifonov. Was uns besonders beeindruckt hat, war ihr Sinn für Relationen, ihre plastische Phrasierung bei einer makellosen Technik. Inzwischen spielt sie in den großen Konzertsälen der Welt in Solo-Abenden, als Solistin mit großen Orchestern und als Kammermusikpartnerin (z.B. von Gidon Kremer, Julia Fischer, dem Philharmonia Quartett).

Am 7. Oktober 2016 wird sie in Weiden Beethoven und Liszt spielen, ein Programm mit elegischen Werken, die mit Abschied und Tod zu tun haben.

Beethovens e-moll Sonate op. 90 von 1814 ist eine 2sätzige Sonate mit lyrisch-persönlichem Ausdruck,  ein introvertiertes Werk, das auf virtuose Gestik verzichtet. Die c-moll Variationen aus dem Jahr 1806 sind ein dicht gedrängtes Kompendium Beethoven´ scher   Variationskunst: 32 Variationen über ein nur 8-taktiges Originalthema, fast wie eine Passacaglia mit freiem Finale.

„Les Adieux“ hat Beethoven seine einzige programmatische Sonate überschrieben (Es-Dur, op. 81a). „Abschied“ im ersten Satz, „Abwesenheit“ im zweiten und „Ankunft“ im dritten schildern Beethovens Empfindungen, als sein Freund und Schüler Erzherzog Rudolph 1809 wegen Napoleons Einmarsch in Wien zusammen mit dem Wiener Hof nach Budapest fliehen musste. Nach dem Friedensschluß (1810) kehrte der Hof zurück nach Wien.

Franz Liszt war zweifellos der faszinierendste Klaviervirtuose der Romantik. Ähnlich Paganini auf der Geige muß er auf dem Klavier eine schier überwältigende Wirkung auf sein Publikum ausgeübt haben. Als Komponist häufig unterschätzt, ist Liszt ein bedeutender Neuerer gewesen, ohne den die Musikgeschichte wohl anders verlaufen wäre. Sein bedeutendstes Werk – vielleicht das bedeutendste und technisch anspruchsvollste Klavierwerk der Romantik – ist seine h-moll Sonate (1852/53). Liszt hat mit diesem Werk den Kanon der klassischen Sonate verlassen und eine völlig neue Form geschaffen. Wie   Schuberts Wandererfantasie besteht diese Sonate aus nur einem Satz, der sich aber wie ein großer Sonatenhauptsatz mit Exposition, Durchführung und Reprise deuten lässt. Die Analysen dieses Werks füllen ganze Bibliotheken. Aus nur wenigen Motivkeimen ist das  etwa halbstündige Werk konstruiert, ein Werk, das autobiographisch die inneren Kämpfe einer faustischen Künstlerpersönlichkeit zum Thema hat.

Wunderliche, fast modern klingende Kompositionen über Tod und Vergänglichkeit schuf der alternde Franz Liszt. Auf Virtuosität verzichtete er ganz, dafür beschritt er harmonisch neue Wege hin zur Atonalität. Die Trauergondel ist eine düstere Vorahnung und R.W.Venezia eine kompositorische Trauerpoesie auf den Tod seines Schwiegersohns Richard Wagner 1883 in Venedig.

Dr. Harald Roth

 

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