Quatuor Danel

13. März 2015, 20 Uhr

Weiden, Max-Reger-Halle

Instrument / Musiker
Violine

Marc Danel
Gilles Milet

Viola

Vlad Bogdanas

Violoncello

Yovan Markovitch

Komponist / Werk
Josef Haydn
Streichquartett Es-Dur op. 33/2 „Der Scherz“
Streichquartett D-Dur op. 50/6 „Frosch-Quartett“
Paul Hindemith
Minimax – Repertorium für Militärmusik
Ouvertüre zum „Fliegenden Holländer“, wie sie eine schlechte Kurkapelle morgens um 7 vom Blatt spielt

Klassische Musik findet sich in CD-Katalogen unter der Rubrik „Ernste Musik“. Muss aber Ernste Musik immer ernst sein?

Das zu untersuchen laden wir Sie für Freitag, den 13. März 2015, zu einem Konzert mit dem Quatuor Danel aus Brüssel ein. Wir kennen das überaus engagiert und intensiv spielende Quartett bereits von unserer Mendelssohn-Trilogie 2008. Nach dem sensationellen Erfolg der Gesamteinspielung der Quartette von Dmitri Schostakowitsch brachte das Ensemble inzwischen eine nicht minder preisgekrönte Gesamteinspielung der Quartette Mieczyslaw Weinbergs auf den Markt.

Wer die Streichquartette Haydns spielt, ist immer wieder überrascht vom „Humor“ dieser Musik, von überraschenden Wendungen, mit denen Haydn Spieler und Hörer aufs Glatteis führt, von schier hinterlistigen harmonischen Wendungen oder von scheinbaren Banalitäten, die aber höchst kunstvoll verarbeitet sind. Von Haydns 64 Quartetten haben nur einige wenige Werke in den üblichen Konzertkanon Eingang gefunden. Jedes dieser Werke aber ist von höchster Individualität und souveränster kompositorischer Meisterschaft. Josef Haydn war nicht nur der „Erfinder“ des Streichquartetts, er führte diese Gattung auch gleich zu höchster Vollendung.

Lassen Sie sich überraschen von zwei „unbekannten“ Quartetten, die den bezeichnenden Namen tragen: „Der Scherz“ und „Der Frosch“.

Ist es bei Haydn eher feinsinniger Humor, so erlebt man bei Hindemith deutlich Derberes, fast bis zum musikalischen Klamauk.

„Minimax“ nennt sich sein „Repertorium für Militärmusik“. Hindemith erweist sich in dieser Parodie auf Marsch- und Salonmusik als musikalischer Spaßvogel ersten Ranges. Es erklingen die „Ouvertüre zu Wasserdichter und Vogelbauer“, ein „Intermezzo für zwei entfernte Trompeter“ (Geige und Bratsche im Nebenzimmer), „die beiden lustigen Mistfinken“ (Flageoletts der beiden Violinen in höchster Höhe) und der „Marsch der alten Karbonaden“ (gleichzeitig im 3/4 - und 5/4-Takt).

Ein besonders schräges Stück ist die „Ouvertüre zum Fliegenden Holländer, wie sie eine schlechte Kurkapelle morgens um 7 vom Blatt spielt“. Hindemith hat als Student in diversen Kurkapellen gespielt und wusste um mangelnde Probenzeit und Vom-Blatt-Spiel.

So wird die „Holländer-Ouvertüre“ zunehmend zum Fiasco, bis sich die Kapelle unversehens bei einem Wiener Walzer wiederfindet. Auf diesem gewohnten Terrain fühlt man sich wohl für einige Zeit – das Zurückfinden zur Ouvertüre ist dann umso grotesker.

Musik zum Schmunzeln (bei Haydn) und zum Lachen (bei Hindemith) - für die Musiker wegen der erheblichen technischen und intonatorischen Vertracktheiten eine außerordentliche Herausforderung.

 

Dr. Harald Roth


 

BR Klassik

 

BR-Klassik wird auch dieses Konzert aufzeichnen.